Familienurlaub

Pemberton - Karri Forest - Albany

Urspruenglich war geplannt Ende Januar fuer eine Woche nach Tasmanien zu fliegen, wo die Eltern bei einem Fahrradrennen ueber mehrere Etappen teilnehmen wollten. Flug, Unterkunft und Essen fuer fuenf Personen plus Teilnehmergebuehr, Mietauto, Benzin, usw. haette die Familie ungefaehr 10000$ gekostet, was absolut nicht drin war, nachdem sie erst letztes Jahr drei Monate durch Europa reisten. Statt dessen erwarteten uns die Waelder und Kuesten im Sueden West Australiens. Mir sollst recht sein, denn ich habe beides noch nicht gesehen.

Am Freitag den 13. Januar ging es los. Lebensmittel und Spielsachen in den Kofferraum, Fahrraeder und Gepaeck in den Anhaenger und die Kayaks auf den Dachgepaecktraeger. Und nun ein kleines Ratespiel: Was glaubt ihr wie viele Fahrraeder wurden mit genommen? Die Loesung am Ende des Beitrages.
Ich zwaengte mich mit Mark und Helen auf die Rueckbank und unterhielt mich waehrend der Fahrt mit den Eltern ueber dieses und jenes, waehrend die Kinder ueber Kopfhoerer eine DVD im Autodachmonitor anschauten. Kurzer Stop war Nannup, wo Susan Kaffee fuer unterwegs besorgte, Allen und Mark Baelle kickten, Helen tief und fest schlief und ich mir von Aussie die Regeln des Loan Bowls (Rasenbowling) erklaeren lies, was eine abgewandelte Form von Boule ist.
Abends erreichten wir dann Pemberton, wo wir die naechsten drei Naechte und Tage verbrachten.

In Pemberton wohnten wir auf einer Farm, wo es fuer die Kinder die Moeglichkeit gab ab neun Uhr die Tiere zu fuettern. Da gab es Huehner und Enten, Meerschweinchen und Hasen, die Kaelber Schokolade und Mocca, ein Pferd im Ruhestand und zwei Kaengeruhs. Andere habe vielleicht Probleme um diese Zeit aufzustehen, nicht aber meine Familie. Die Kinder wachen selten nach sechs Uhr auf und die Eltern steigen woehnlich um 6.30 Uhr auf ihre Raeder, was sie aber im Urlaub eine Stunde nach hinten verschoben haben. Wie dem auch sei. Um 9 Uhr hatten alle gefruehstueckt, die Kinder haben die Farm mehrfach mit dem Rad erkundet, eine halbe Stunde auf dem Trampolin gehuepft und ne weitere halbe Stunde auf den einsamen Spielplatz totgeschlagen bis es endlich soweit war.
Am Vormittag wollten wir dann zum Gloucester Tree wandert, machten dann aber Halt auf einer Goldfisch Farm mit Namen The Barn (die Scheune), welche auf dem Weg lag. Es gab
riesige Goldfische zu bestaunen, einen Esel zum Streicheln und eine Galerie mit Malereien und Kunstwerken der Umgebung. Da Mark aber absolut nicht weiterlaufen wollte, weil ihm die Fliegen so nervten, sind wir erst einmal zurueck zur Farm und haben uns in unserer klimatisierten Huette im Wald ausgeruht. Fliegenfrei.
Am Nachmittag fuhren wir dann mit dem Auto zum Gloucester Tree (gesprochen: Glosster), einem beruehmten Karribaum in der Gegend, den man hochklettern kann. Er wurde vor Jahren als Aussichtsturm benutzt, um nach Waldbraenden Ausschau zu halten. Heute uebernehmen diese Aufgabe Hubschrauber und der Baum ist eine reine Touristenattraktion. Er hat keine Aeste und in dem Stamm wurden Eisenstaebe befestigt, so dass man den Baum wie auf einer Leiter hochklettern kann. Ich bin als einzige die 61m bis an die Spitze geklettert. Die Eltern wollten nicht und Mark durfte nicht. Schwierig wurde das Klettern nur, wenn einem einer entgegen kam. Oben gab es eine Aussichtsplattform und man hatte einen herrlichen Blick ueber den Karriwald. (Karri = eine Baumart mit sehr hartem Holz, die es nur im Suedwesten Australiens gibt.) Als ich wieder unten angekommen war, wanderten wir noch eine kurze Strecke von 800m durch den Wald, bevor es nach Hause ging.

Am Sonntag spielten wir eine Weile im Haus, fuetterten erneut die Tiere, suchten nach Eiern und planschten im Pool, bis die Eltern mittags von ihrer Fahrradtour heimkamen. Helen, Susan und ich machten dann einen Abstecher zum Woodcraft Store, wo man Kunstwerke und Kleinmoebel aus Karri und Jarrah Holz kaufen kann. Nach einer Tasse heisse Schokolade im Cafe nebenan fuhren wir zum Big Brook Dam. Allen und Mark hatten die Strecke mit dem Fahrrad zurueckgelegt. Wir legten uns an den Strand, schwammen im Wasser und ich hatte endlich die Gelegenheit meine neue Schnorkelausruestung auszuprobieren, die ich mir fuer die Arbeit im DDC gekauft hatte.

Montag mussten wir dann schon wieder die Sachen packen und fuhren Richtung Albany. Auf dem Weg stoppten wir im Wald. Das hier mal wieder Unmengen von Fliegen waren brauch ich aber wohl nicht zu erwaehnen. Noch mehr als die Fliegen regte mich aber Marks Gemecker ueber die Fliegen auf. Wir liefen 800m um einen Giant Tingle Tree ausfindig zu machen, aber irgendwie waren alle Baueme Giants (Riesen) und wir liefen
wie Zwerge durch den Wald, der teilweise ueber 300 Jahren alten Baeume. Viele der Baueme waren von Innen hohl und schwarz, so als ob hier vor einigen Jahren ein Buschfeuer gewuetet hat. Allen gaulkelte den Kindern vor er haette vergessen ein Haus fuer die naechste Nacht zu buchen und wir muessten nun hier im Wald campen. Wir brauchten einen Baum fuer uns fuenf zum Schlafen und einen weiteren wo wir das Auto abstellen koennten. Helen war sehr euphorisch bei der Sache, aber Mark lies sich mit seinen sieben Jahren nicht mehr so leicht veraeppeln.
Zwischen Walpole und Denmark hielten wir nochmals im Valley off the Giants (Tal der Riesen) wo wir ueber eine Staalkontruktion 40m ueber den Boden durch die Baumkronen laufen konnten. Der Ort ist bekannt unter dem Namen Tree Top Walk. Am Anfang der Bruecke fragte uns jemand vorher wir kommen. Sie macht Striche aus welchen Teilen Australiens wir kommen oder woher das dem Ausland. Was fuer ein Job. Es war 3 Uhr Nachmittags und laut ihrer Angabe sind schon an die 500 Personen ueber diese Bruecke marchiert, an nur einem Tag. 50% der Besucher kamen aus Westaustralien, ca. 20% aus anderen Teilen Australiens, 10% aus Japan, weitere 10% aus Deutschland und der Rest aus anderen Teilen Europas, Amerika und Asien. Der Eintritt kostete 5$ pro Erwachsenen. Das ist kein schlechtes Tageseinkommen fuer einen Wochentag. Am Ende der Bruecke gab es den Ancient Empire Walk, der sich aber nicht sehr von unserem frueheren Tingle Tree Walk unterschied, allerdings durfte man hier viele Baeume nicht beruehren. Verstaendlich bei 500 Besuchern taeglich. Und am Wochenende kommen garantiert noch mehr.
Am Abend erreichten wir unsere Ferienwohnung in Albany. Wir entluden unser Auto und spazierten dann direkt an den Strand, der gerade mal 50m entfernt war. Es war recht windig hier, aber fuer jemanden der an der Nordseekueste aufgewachsenen ist voellig normal.

Am Dienstag frueh ging ich wieder mit den Kindern an den Strand, waehrend Susan und Allen eine Radtour machten. Unsere Ferienwohnung liegt ehrlich gesagt nicht direkt in Albany, sondern etwas abgelegen zwischen den Orten Middelton Beach und Emu Point. Es ist demnach sehr ruhig und der Strand zwischen den Orten recht einsam. Vielleicht war auch nur so wenig los, weil es windig war. Aber Dank des Windes waren keine Fliegen in Sicht.
Spaeter bin ich dann mit Mark den Radweg entlang bis nach Middelton Beach gefahren und habe dann auf dem Spielplatz auf Susan und Helen gewartet. Der Weg war recht
huegelig und Helen ist bei jedem auf und ab von ihrem Fahrrad abgestiegen. Es hat eine Ewigkeit gedauert bis sie da waren. Anschliessend sind wir dann ins Cafe und haben uns Muffins und heisse Schokolade gegoennt. Auf dem Rueckweg fuhr ich mit Helen und Susan mit Mark. Ewig musste ich Helen die Huegel hinauf schieben und warten, bis sie die Huegel herunterlief. Bald habe ich dann mein Rad geschoben, weil es weniger anstrengend war, als ewig auf und ab zu steigen. Mit Mark fuhr ich die Strecke in 10 Minuten. Mit Helen brauchte ich 40 Minuten.
Nach dem Lunch haben sich alle ausser mir zur Mittagsruhe hingelegt. Ich habe mich dann nochmal aufs Rad geschwungen und bin die 6/7 Kilometer nach Albany geradelt. Es ist nicht viel weiter als die Tour von meinem Haus in Bunbury zum Delfinzentrum, aber doppelt zu anstrengend, wegen dem ewigen auf und ab. In Albany habe ich mir die historischen Gebaeude wie Strawberry Hill, die aelteste Farm in West Australien und das alte Gefaengnis angesehen. Albany wurde schon besiedelt, als von Perth noch niemand gehoert hatte. Fuer den Rueckweg waehlte ich eine Strecke entlang der Kueste. Ein fataler Fehler. Auf der Karte sah es so nett aus; Radweg durch den Wald, vorbei
am Aussichtspunkt usw. Tasaechlich was es aber ein Berg und es ging bestimmt zwei Kilometer nur bergauf. Es war teilweise so steil, das ich mein Rad schieben musste. Kurz bevor ich zu Hause ankam, schrieb mir Susan dann eine SMS, dass sie zum Einkaufen gefahren sind. Na klasse, jetzt steht ich nach so einer Tour auch noch vor verschlossener Tuer. Ich entschied mich weiter richtig Emu Point zu fahren und nun ratet mal was ich am Strassenrand entdeckt habe. Ach, da kommt sowieso keiner drauf. Auf einem Felsen sassens zwei Hunde mit Hut und Sonnenbrille. Da musste ich gleich stehen bleiben und ein Photo machen, denn geglaubt haette mir das eh keiner. Zwei Kinder haben mich angesprochen ob ich die Hunde so gestylet haette, was ich verneinte. Vom Besitzer war weit und breit nichts zu sehen.

Whale World stand am Mittwoch auf dem Plan und dabei hat es mich noch nicht einmal so wirklich interessiert. Delfine sind fuer mich wesentlich interessanter als Wale. Zu meiner Ueberaschung habe ich aber genau dort Tsuguru getroffen, der auch im DDC in Bunbury Volunteer Arbeit geleistet hat. So ein Zufall.

Donnertag trainierten Allen und Susan wieder und ich machte mit mit den Kindern auf an den Strand. Wir liessen Flieger in den Duenen steigen, bis einer auf einmal spurlos verschwand und bauten dann eine Sandburg. Ein sechjaehriger Junge gesellte sich mit seiner Mutter zu uns und die Kinder spielten vergnuegt, waehrend wir einen Plausch hielten.
Am Nachmittag machte ich mich wieder auf dem Weg nach Albany. Ich spazierte ein wenig durch die Shops und landete dann in einem Bookcafe. Das ist eine Kombination aus einem Cafe und einem Buchladen. Das besondere war, dass man wie in einer Buecherei die Buecher lesen durfte und gleichzeitig seinen Tee geniessen konnte.

Freitag war fuer mich der schoenste Tag in Albany. Wir fuhren mit dem Auto zur suedlichsten Spitze Westaustraliens und sahen besondere Felsformationen wie The Gap, eine grosse Felsspaltung und Natural Bridge, eine kleine Bucht ueber die eine felsige Bruecke fuehrte. Alleine mit dem Fahrrad haette ich dort nie hinfahren koennen. Fuer die Kinder war es aber einfach nur schoen ueber die Felsen zu klettern und besonders fuer Mark konnten die Felsen gar nicht gross genug sein. Blickte man ueber die Felsen nach Sueden, sah man nichts als das Meer und einen strahlenden Himmel. Blau und blau gingen in einander ueber, aber vor Jahren war dies noch die Grenze zur Antarktis. Jedes Jahr entfernt sich Australien 5cm mehr vom alten Kontinent, wie ich es einer Infotafel entnehmen konnte.
Anschliessend suchten wir uns einen einsamen Strand in der Gegend. Stellt euch vor ihr geht im Hochsommer an die Nordsee- oder Ostseekueste, rollt euer Handtuch aus und koennt weder rechts noch links eine andere Menschenseele entdecken. Unvorstellbar fuer Deutschland, aber fuer Australien durchaus moeglich. Wir machten Picknick am Strand und holten dann die Kayaks vom Dachgebaecktraeger. Wir hatte die Kayaks den ganzen Weg von Bunbury runtergeschleppt und sie noch nicht einmal benutzt. Wir paddelten den ganzen Nachmittag entlang der Ufer.

Am Samstag spielte ich frueh wieder mit den Kindern. Wir machten Schwerter, Schilder und Kostueme aus Zeitungspapier und zogen dann in die Schlacht. Dann hatte Mark die Idee, dass uns keiner sehen durfte. Wir versteckten uns hinter Bueschen und Muelltonnen, den jeder Spaziergaenger waere ein Spion und koennte uns unsere Lebensenergie klauen, wenn sie uns entdecken. Kindliche Fantasie halt.
Am Nachmittag legte sich die Eltern und Helen wieder zum Schlafen. Mark schaute eine DVD und ich entschloss mich einen Spaziergang durch Emu Point zu machen und mich dann mit einem Buch an den Strand zu legen. Auf eine erneute Radtour hatte ich einfach keinen Bock.
Ich haette gerne noch mehr gesehen, was bestimmt auch fuer die Kinder interessant gewesen waere, aber was ueber 15km entfernt war. Viel Zeit ging einfach verloren, weil die Familie zwischen 12 und 16 Uhr einfach gar nicht aus dem Haus ging.

Sonntag frueh packte ich meine Sachen und die Lebensmittel, waerend die Familie mal wieder ne Radtour machte. Anschliessend ging ich noch einmal mit den Kindern an den Strand, und die Eltern packten ihre Sachen. Um 11 Uhr assen wir dann noch schnell eine Kleinigkeit und ab ging es die 350km zurueck nach Bunbury.
---------------------------
Loesung: Es wurden acht Fahrraeder mitgenommen. Helen hat ihr kleines Fahrrad mit den Stuetzraedern dabei und ich mein normales Rad, was sie mir seit meiner Ankunft in Bunbury zur Verfuegung gestellt hatten. Susan, Allen und Mark hatten jeweils zwei Raeder dabei, eins fuer die Strasse und ein Mauntainbike fuers Gelaende.

Trackback URL:
https://steffiontour.twoday.net/stories/1603214/modTrackback

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Aktuelle Beiträge

Thank you for your participation...
Thank you for your participation تميز متصفح جوجل...
staryou - 3. Apr, 01:39
Toll Toll
Hallo Steffi Bin zwar erst heute auf deine Site am...
schopaka - 13. Apr, 14:59
Wieder daheim in Deutschland....
Wieder daheim in Deutschland. Zu erreichen bin ich...
Steffibaer - 22. Dez, 00:39

01 - v. Nordholz n. Tingalpa
02 - Brisbane & Umgebung
03 - Auf n. Secluded Springs
04 - Whitsunday
05 - Bowen
06 - Magnetic Island
07 - Tropen Queenslands
08 - Sydney
09 - Mildura
10 - South Australia
11 - Tage im Zug
12 - Spass in Bunbury
13 - Wieder in Deutschland
guestbook
Kontakt
Meine Jobs
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren